[Articles] Soziale Arbeit und vernetze Gewaltprävention. Diskussion anlässlich einer Zürcher Gemeindebefragung.

Die Ziele von Sozialer Arbeit weisen vielfältige Berührungspunkte mit denen der Kriminalprävention auf. Bei Berufsfeldern der Sozialen Arbeit im forensischen Bereich, wie Straf- und Massnahmenvollzug, Bewährungshilfe oder Jugendanwaltschaften, steht eine rückfallpräventive Orientierung im Sinne indizierter Prävention im Vordergrund. In Bereichen wie offene Jugendarbeit, Jugendhilfe oder Gemeinwesenarbeit zählt Kriminalprävention nicht zu den primären Aufgaben, gleichwohl können genuin-präventive Ziele verfolgt werden – universeller Natur zur Verhinderung delinquenten Verhaltens bei bislang unauffälligen Mitgliedern der Gemeinschaft oder selektiver Natur bei Risikogruppen. Gerade letztgenannte Felder der Sozialen Arbeit sind in vielen schweizerischen Gemeinden an vernetzten Präventionsaktivitäten beteiligt, deren Bedeutung jedoch kontrovers diskutiert wird. Fachleute schätzen auf der einen Seite die gegenseitige Bereicherung und Ergänzung durch eine ressortübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung, auf der anderen Seite werden widersprüchliche Rollen und Aufgaben kritisiert. Der vorliegende Artikel thematisiert die unterschiedlichen Betrachtungen zu diesem Arbeits- und Spannungsfeld auf der Basis einer von den Autoren durchgeführten Studie zu Bedarfslagen von Gewaltprävention bei Gemeindepräsidien und Fachleuten in Zürcher Gemeinden. Ausgehend von den Erkenntnissen dieser Erhebung ist es das Ziel dieses Beitrags, die spezifischen Herausforderungen der Sozialen Arbeit in kommunaler Kriminalprävention in einem schweizerischen Kontext zu diskutieren. Die Analyse der Problemwahrnehmung, der Bedarfslage und der Umsetzung von Präventionsprojekten dienen hierfür als empirische Basis. Abschliessend wird auf Möglichkeiten und Grenzen der vernetzten Gewaltprävention allgemein eingegangen.

Author(s): Patrik Manzoni, Samuel Keller

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[Articles] La réflexivité dans et sur l’action. Enjeux pour la professionnalisation des travailleurs sociaux.

La réflexivité est un thème qui s’inscrit dans le champ des théories de l’action, et de fait intéresse la philosophie, et dans des champs de recherche appartenant à différentes disciplines des sciences humaines. En questionnant les rapports entre pensée et action, entre conscience et action, ou encore entre pensée et langage, la réflexivité ou ce qu’on dénomme aussi la réflexion sur l’action se trouve au cœur de débats épistémologiques séculaires avec en toile de fond le rapport entre théorie et pratique. Nous souhaitons pointer quelques éléments que suscite notre réflexion sur le thème de la réflexivité dans l’action pour discuter ensuite ses enjeux pour la professionnalité des travailleurs sociaux.

Nous commencerons parmettre en évidencele récent intérêt porté, dans la littérature consacrée à la professionnalisation en travail social, aux conditions effectives du métier et à l’expertise déployée en situation. Un lien sera fait avec l’alternance comme dispositif privilégié de formation en travail social. Nous nous arrêterons ensuite sur le modèle du praticien réflexif de Schön afin d’examiner la modalité de la réflexivité dans et sur l’action valorisée dans la formation des travailleurs sociaux comme dansbien d’autres métiers de l’humain. Nous identifierons quelques-uns de sesenjeuxépistémologiquesentant qu’ils interrogent àleurtour les enjeuxde ce modèle pour la formation professionnelle. Nous aurons ainsi l’occasion de questionner l’usage du praticien réflexif initialement pensé comme modèle d’action et qui s’est généralisé comme modèle idéal de professionnalité en travail social avec l’essor de la logique de l’alternance.

Author(s): Sylvie Mezzena

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[Articles] Zwangskontext und “Zwangsbeglückung” in der gesetzlichen Sozialen Arbeit. Phänomen und rechtliche Aspekte.

Soziale Arbeit im Zwangskontext hat es historisch betrachtet schon immer gegeben (vgl. Hammerschmidt 2010, S. 849ff.). In den letzten Jahrzehnten vor der Jahrtausendwende hat sich Soziale Arbeit besonders dem Paradigma der Freiwilligkeit verschrieben. Dabei hat sie die Arbeit in einem Zwangskontext teilweise implizit als nicht im Kern sozialarbeiterisch abgetan und kaum beachtet. Ebenso wenig beschäftigt hat es sie weitgehend, dass diese Form Sozialer Arbeit in einem dialektischen Bezug zur sogenannten freiwilligen Arbeit steht. Diese Tendenzen sind durchaus auch heute noch erkennbar.

Die Thematisierung von Pflichtklientschaft im Strafvollzug und im Kindes- und Erwachsenenschutzbereich um die Jahrtausendwende im deutschsprachigen Raum hat dazu geführt, dass die Sensibilität gegenüber der Sozialen Arbeit im Zwangskontext zugenommen hat (Gumpinger 2001a; Kähler 2005). Hintergrund dieser erst späten (Wieder-)Entdeckung des Feldes dürfte mitunter die Skepsis gegenüber Juristen, die seit den Dreissigerjahren bis Ende der Fünfzigerjahre vielerorts in den Ausbildungen für Soziale Arbeit und an Führungsstellen im Sozialbereich tätig waren (Kruse 2007, S. 188ff.; Burkhardt Modena 1988, S. 105), und damit implizit gegenüber den Rechtswissenschaften sein.

Author(s): Daniel Rosch

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[Articles] Irritationen der Vielfalt. Fachliche Implikationen einer transkulturellen Öffnung der Verwaltung.

Innerhalb von Europa weist die Schweiz einen der höchsten Ausländeranteile an der Gesamtbevölkerung auf. Migrantinnen und Migranten haben sich in der Schweiz nicht nur niedergelassen, sondern in der zweiten und dritten Generation Wurzeln geschlagen.1 Die Einwanderungsrealität ist in dieser Hinsicht mit jener klassischer Einwanderungsländer wie Australien, Kanada oder den USA vergleichbar (Piguet 2006, S. 122). Nebst der demografischen Relevanz dürfte auch die sukzessiv verbesserte Rechtsstellung der längerfristig anwesenden Ausländerinnen und Ausländer dazu geführt haben (Schweizerischer Bundesrat 2010), dass die offizielle Schweiz sich heute als «ein Land der Vielfalt» präsentiert (EKA 2005a, S. 3). Mittlerweile werden Ausländerinnen und Ausländer als «wertvolle[r] Bestandteil der Gesellschaft» (TAK 2009, S. 10) wahrgenommen, als «selbstverständliche Teilhabende», gar «Mitbürgerinnen und Mitbürger» einer «vielfältigen Bevölkerung in Städten und Gemeinden» (EKA 2005a, S. 3). Sie bringen ihre persönliche Lebensauffassung mit, verfügen über unterschiedliche Erfahrungen und spezifische Kompetenzen. Der Staat anerkennt diese Vielfalt als wirtschaftliches, kulturelles und soziales Potenzial (Schweizerischer Bundesrat 2010, S. 13). Es erstaunt deshalb kaum, dass Vielfalt heute als ein wesentliches Element jeder freiheitlichen Ordnung hochgehalten wird, «welches zu schützen ist» (Schweizerischer Bundesrat 2002, S. 3797).

In diesem Sinne sind Bund, Kantone und Gemeinden gefordert, «günstige Rahmenbedingungen für die Chancengleichheit und die Teilhabe der ausländischen Bevölkerung am öffentlichen Leben» zu schaffen (Art. 53 Abs. 2 AuG).

Author(s): Esteban Piñeiro

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[Articles] Die Rede von der Parallelgesellschaft. Eine raumwissenschaftliche Betrachtung.

Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, was in der Rede von der Parallelgesellschaft eigentlich «parallel» zur Gesellschaft heisst. Aus einer raumtheoretischen Perspektive wird das Gebilde Parallelgesellschaft dekonstruiert, um scheinbar unhinterfragte Paradoxien und dahinter liegende Raumkonstruktionen und deren Bedeutung für die wissenschaftliche Diskussion sichtbar zu machen. In einem Ausblick werden die damit verbundenen Herausforderungen für eine reflexive Soziale Arbeit, welche eine Gesellschaftsform in der eine Transnationalisierung der sozialen Welt von unten mitdenkt und welcher eine soziale Entwicklungsvorstellung hinterlegt ist, aufgezeigt.

Author(s): Christian Reutlinger, Bettina Brüschweiler

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[Positions and debates] “Wo er auftauchte, war kein sicheres Gebiet, sondern umstrittenes Gelände…”. Zum Trennungsdiskurs Grundlagenforschung versus angewandte Forschung.

In der Schweiz hat der Trennungsdiskurs «Grundlagenforschung versus angewandte Forschung» mit der Bildung von Fachhochschulen in den 1990er Jahren eine Renaissance erfahren. Der vorliegende Beitrag skizziert die Entwicklung des Diskurses seit Beginn des 20. Jahrhunderts, zeigt seine drei grundlegenden Positionen auf und diskutiert, wie dieser Trennungsdiskurs zugleich trennt und eint.

Author(s): Anna Maria Riedi

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[Articles] Transdisziplinarität als Attribut Sozialer Arbeit.

Begriffe dienen nicht nur der Benennung, sie sind häufig auch Hoffnungsträger und Versprechen. Diesen Eindruck können wir besonders bei neuartigen Attribuierungen der Sozialarbeitswissenschaft gewinnen. In den letzten Jahren hat sich besonders der Begriff der Transdisziplinarität in den Vordergrund gedrängt, um Soziale Arbeit als Wissenschaft zu bestimmen. Dieser Beitrag widmet sich nicht der Frage, ob eine «Sozialarbeitswissenschaft» existiert und wenn ja, in welchem Sinne sie dies tut. Ebenso wenig fügt er der Vielzahl an Vorschlägen zur Verfassung einer Sozialarbeitswissenschaft einen weiteren hinzu. Vielmehr geht es darum, einem prominenten Begriff gleichsam «auf den Zahn zu fühlen».

Author(s): Stefanie Büchner

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[Articles] Entwicklung durch Kooperation. Instrumente und Verfahren der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie. Einblicke in ein kooperatives Forschungs- und Entwicklungsprojekt.

Professionelle Praxis ist wesentlich – wenngleich nicht ausschliesslich – dadurch gekennzeichnet, dass sie wissenschaftliches Wissen für ihre Gestaltung nutzt. Diese Aussage ist in dieser Allgemeinheit unbestritten. Eine andere Formulierung wird in der Sozialen Arbeit schon eher Widerspruch hervorrufen, nämlich wenn die Rede davon ist, dass die professionelle Praxis wissenschaftliches Wissen «anwendet». Der Stand der Debatte in der Sozialen Arbeit zur Anwendung sozialwissenschaftlichen Wissens kann unter Rückgriff auf die «alte Verwendungsforschung» (Beck/Bonss 1989), aber auch unter Rückgriff auf den Forschungsstand zur Bildung professioneller Handlungskompetenz (vgl. Widulle 2009) so zusammengefasst werden, dass eine einfache Anwendung des wissenschaftlichen Wissens als unrealistisch ausgeschlossen werden kann. Professionelles handlungsleitendes Wissen entsteht, folgt man z. B. Dewe durch «Relationierung» verschiedener Wissensformen (vgl. Dewe 2009,2005; Dewe/Otto 1996), u. a. von «deklaratorischem» und «prozeduralem» Wissen. Oder anders formuliert: Durch «Hybridisierung» von z.B. wissenschaftlichem, rechtlichem, aber auch ethischem mit lokalem, organisationalem und spezifischem (Erfahrungs-)Wissen in den Handlungsmustern der Professionellen (vgl. Gredig/ Sommerfeld 2008).

Author(s): Peter Sommerfeld, Regula Dällenbach, Cornelia Rüegger

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[Articles] Sozialpädagogische Historiographie. Zwischen Identitätskrise und Legitimationsweg? Ein geschichtswissenschatliches Reflexionsangebot.

Von der Krise der Sozialpädagogik, und zwar bezüglich Theorie, Begriff sowie Identität (Grubenmann 2007), von kollektiver sozialpädagogischer Depression (Niemeyer 1999) und dem Leiden des unverstandenen deutschen Sozialpädagogen (Andresen 2001) war vor ein paar Jahren allenthalben die Rede. Im Zuge dieses Lamentos hat die Sozialpädagogik ihre Geschichte neu entdeckt und haben historische Fragestellungen vor dem Hintergrund disziplintheoretischer und -politischer Diskussionen einen neuen Stellenwert erhalten.

Author(s): Esther Berner

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[Articles] Von der Notwendigkeit der Utopie. Ideengeschichtliche Skizze zum Einfluss von Sozialutopien auf die Entwicklung der Sozialen Arbeit am Beispiel von Helene Simon.

Nach Grubenmann (2007, S. 203) steckt die historische Forschung der Sozialen Arbeit in der Schweiz noch in den Kinderschuhen und ist nach wie vor auf interdisziplinäre und international vergleichende Forschungsergebnisse angewiesen. Fehlt zudem bisher für die (deutschsprachige) Schweiz eine Gesamtdarstellung der Geschichte der Sozialen Arbeit auf ihrem Weg zu einer Profession, so wurde dennoch diehistorische Entwicklung der Sozialen Arbeit in vielen Detailstudien abgehandelt (u. a. Hauss 1995, Ramsauer 2000, Crespo 2001, Grubenmann 2007). Dabei wurden in unterschiedlicher Intensität ideengeschichtliche Bezüge zum realgeschichtlichen Verlauf in Beziehung gesetzt. Gleichwohl sind explizit ideengeschichtliche Veror- tungen zur Entwicklung der Sozialen Arbeit wenig präsent. Hier bleiben aus dem deutschen Sprachraum die Arbeiten von Scherpner (1962), Wendt (1995), Thole/Galukse/Gängler (1998) und Engelke/Borrmann/Spatscheck (2008) Ausnahmen.

Author(s): Mathias Lindenau

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