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Call: Soziale Arbeit in Zeiten der Covid-19 Pandemie

Die COVID-19-Pandemie wird die Welt noch weiter beschäftigen. Wie in anderen europäischen Ländern werden auch in der Schweiz die aktuellen Entwicklungen seit dem ersten Abflachen der Infektionsrate kontroverser und strittiger diskutiert als mitten in der Krise. Dabei wird die Durchsetzung von Interessen und Positionen lautstark ausgefochten. In dem damit entstehenden Konzert von Meinungen und Einschätzungen ist die Soziale Arbeit noch wenig zu hören, obwohl sie für die Menschengruppen zuständig ist, die in besonderem Masse von Krisen betroffen sind. Gewiss, es gibt einzelne Berichte, Umfragen und Dokumentationen, doch ein Diskurs zur Sozialen Arbeit in Zeiten der Krise hat sich noch nicht formiert. Hier will die Schweizerische Zeitschrift für Soziale Arbeit einen Beitrag leisten. Sie eröffnet die Diskussion zur Sozialen Arbeit in Zeiten von Covid-19 mit dem Ziel, dass fachliche Perspektiven ausgearbeitet, sichtbar gemacht und in den Austausch gebracht werden. Dazu unvorbereitet eine Themennummer herauszugeben würde den Prozess der Herausbildung des Diskurses überspringen. Um einer Formation des Diskurses Raum zu geben und diese sichtbar zu machen, stellt die Zeitschrift in einem ersten Schritt auf ihrer Website eine Online Plattform zur Verfügung. Auf dieser sollen in kurzen Texten Perspektiven der Sozialen Arbeit präsentiert werden. Erst in einem zweiten Schritt im Jahr 2021 wird ein Themenheft ins Auge gefasst, in dem dieser sich formende Diskurs vertiefter und inhaltlich strukturierter abgebildet werden kann.

Mit diesem Call laden wir dazu ein, die vergangenen, gegenwärtigen und zu erwartenden Entwicklungen mit kurzen Texten zu reflektieren. Die Texte richten sich an Forschende und Lehrende der Sozialen Arbeit, an Studierende sowie an interessierte Fachleute aus Sozialpolitik und Praxis. Ziel ist es, Perspektiven der Wissenschaft und des Fachs zur Diskussion zu stellen sowie weiterführende Fragestellungen und Themen in den Diskurs einzubringen.

Ein Diskurs zur Sozialen Arbeit in Zeiten von Covid-19 wird sich in verschiedenen Strängen formieren, drei sollen hier vorgeschlagen werden. Sie sind exemplarisch und haben nicht den Anspruch abschliessend zu sein.

1. Die Sichtbarkeit und Neuvermessung sozialer Ungleichheiten

Die Corona Krise trifft nicht alle gleich. In besonderem Masse sind jene Menschen betroffen, mit denen es die Soziale Arbeit tagtäglich zu tun hat, Menschen in benachteiligten Situationen. So wird international übereinstimmend wird festgestellt, dass soziale Ungleichheiten massive Auswirkungen auf die Folgen der Krise haben – bis hin zur höheren Mortalitätsrate bei denen, die schon zuvor benachteiligt waren. Geringes soziales, ökonomisches und kulturelles Kapital, verbunden mit unzureichenden Zugängen zum Gesundheitssystem wirken verschärfend und erschwerend auf das Erleben und die Bewältigung der Krise. Zugleich geraten gesellschaftliche Gruppen in Risikolagen, die bisher finanziell gut abgesichert waren und ihr Leben langfristig planen konnten (z.B. Selbstständigerwerbende oder kleine Betriebe). Die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt wird in dieser Situation an neuen Bruchstellen deutlich: zwischen den Generationen, zwischen Menschen in Armut und Menschen mit gesicherter Existenzgrundlage, oder, wie aktuelle Proteste zeigen, zwischen Black people und Whites. Ungleichheit und Diskriminierung werden mitten in der Gesellschaft sichtbar - aber auch unsichtbar, dort wo Menschengruppen gänzlich vergessen werden und vollständig aus dem Blick geraten.

2. Paradoxe Einschluss- und Ausschlussprozesse

Verordnete Distanz und Schliessungen im öffentlichen Raum zeigen eine paradoxe Wirkung. Wenn die Aneignung des öffentlichen Raums verhindert wird und damit Kontakte, Vernetzungen und eine öffentliche soziale Kontrolle ausgeschaltet sind, intensiviert sich Nähe und Abhängigkeit in privaten und institutionellen Räumen. Öffentliche Angebote, wie z.B. offene Jugendarbeit, Kindergärten oder Schulen können Nachteile ausgleichen. Wenn der Zugang zu diesen eingeschränkt ist, kann die soziale Positionierung des privaten Raums umso deutlicher sichtbar und erlebbar werden. So machte der Ausschluss aus den öffentlichen Räumen und der damit einhergehende Einschluss in private Räume die Wohnverhältnisse zu einem wichtigen Faktor in Bezug auf das Risiko häuslicher Gewalt. Ein weiterer Schauplatz paradoxer Wirkungen des Ausschlusses aus öffentlichen Räumen waren stationäre Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe, Heime im Behinderten-, Asyl- und Altenbereich oder Psychiatrische Anstalten. Der Ausschluss aus öffentlichen Räumen verstärkte auch hier - bei denjenigen, die in den stationären Einrichtungen blieben und nicht nach Hause geschickt wurden – Schliessungsprozesse, Nähe und Abhängigkeiten. Konkret wurde das z.B. bei ausgesetzten Wochenenden ausserhalb des Heimes oder beim Verbot von Besuchen.[1] Wie die Organisationen im Berufsfeld der Sozialen Arbeit mit den damit gegebenen Herausforderungen umgingen, welche neuen Formate der Kommunikation entstanden und wie Beziehungen gestaltet wurden, könnte im Rückblick zum Thema werden.

3. Diskursive Verständigung und intersubjektive Vergewisserung

Die Sinnhaftigkeit neuer Handlungszusammenhänge muss erzählend bzw. erklärend und dokumentierend hergestellt werden. Das geschieht auf der gesellschaftlichen und politischen ebenso wie auf der alltäglichen, subjektiven und intersubjektiven Ebene. Auf der ersten, der gesellschaftlichen und politischen Ebene führte die Pandemie zu einer Hegemonie virologischer und epidemiologischer Expertisen. Empirische Daten wurden vor allem aus dem medizinischen Bereich präsentiert und interpretiert, weniger im Zentrum standen Ergebnisse aus Surveys und Umfragen zu sozialen Fragen. Gleichzeitig geriet soziales und kulturelles Wissen in Bewegung. Dies wird sichtbar in neuen Gewichtungen in den grundlegenden sozialen Orientierungen wie Solidarität, Care oder Hilfe. In sozialstaatliches Handeln eingelassen entsprechen diese Orientierungen einer genuin sozialarbeiterischen Ausrichtung. Diese bestätigte sich in der Krisenzeit mit der Zuständigkeit der Sozialen Arbeit für vulnerable Bevölkerungsgruppen und führte zum Teil zu einem politischen und fachlichen Engagement, das weit über das alltägliche Mass hinaus geht. Auf der zweiten Ebene, im alltäglichen, subjektiven Erleben der Krise gewann eine empirisch fundierte Berichterstattung an Bedeutung. Gefragt war eine ‘Ethnographie des Alltags’, um die eigenen Einschätzungen als real und angemessen wahrzunehmen.[2] Davon zeugen Umfragen, aber auch Corona-Tagebücher. Auch für den Alltag in der Sozialen Arbeit während der Krisen gibt es verschiedene Formate einer im weitesten Sinne ethnographischen Dokumentation des Alltags. Ein Beispiel ist die Befragung von Jugendlichen in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe durch den Verband Integras.[3] Offen bleibt hier die Frage, welche weiteren, vielleicht auch innovativen Formate für diese alltägliche Selbstvergewisserung kreiert werden, in Zeiten, in denen ein präsenzbasierter intersubjektiver Austausch eingeschränkt ist.

Auch wenn die Soziale Arbeit mit den ihr eigenen normativen Prämissen mitten im aktuell dynamischen sozialen und kulturellen Wissens steht, auch wenn sie mit ihrem Bedürfnis nach Selbstvergewisserung auf Narrationen und Berichterstattung angewiesen ist, nimmt sie in der aktuellen öffentlichen Verständigung über die Krisenzeit keine starke Sprecherposition ein. Das betrifft auch die Hochschulen für Soziale Arbeit. Voraussetzungen dafür, diese Position zu stärken, sollen mit den hier zu erwartenden Texten geschaffen werden.

 

Angaben: Die Texte können von September bis Dezember 2020 eingereicht werden. Sie sollen max. 8‘000 Zeichen umfassen. Dem Text vorangestellt wird ein Lead von max. 450 Zeichen. Die Texte unterliegen einem editorial review und werden fortlaufend auf der Online-Plattform publiziert.

https://szsa.ch/all-contributions/covid-19/

Texte senden Sie bitte per E-Mail an mail@szsa.ch

[1] https://www.integras.ch/de/aktuelles/691-online-umfrage-zur-corona-krise-in-der-stationaeren-kinder-und-jugendhilfe

[2] https://blog.transcript-verlag.de/koerper-im-ausnahmezustand/ Auszug aus: Gabriele Klein/ Katharina Liebsch (Juli 20202), Körper im Ausnahmezustand, in: Keitel, Christian Volkmer, Michael, und Werner, Karin (Hg.) Die Corona-Gesellschaft. Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft. transcript Verlag.

[3]  https://www.integras.ch/de/aktuelles/691-online-umfrage-zur-corona-krise-in-der-stationaeren-kinder-und-jugendhilfe


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Appel à communications : Le travail social au temps de Covid-19

La pandémie de COVID-19 continue d'occuper le monde. Comme dans d'autres pays européens, les développements actuels depuis l'aplatissement de la courbe du taux d’infection sont plus controversés et fortement débattus en Suisse qu’au milieu de la crise. Les positions et défenses d’intérêts se font encore davantage entendre. Dans ce concert de débats et de prises de position, le travail social se signale encore peu, bien qu'il soit responsable de groupes de personnes particulièrement vulnérables et touchées par les crises. Certes, il existe des rapports, des enquêtes et des documents venant d’institutions diverses, mais l’élaboration d’un discours sur le travail social en temps de crise n'a pas encore réellement pris forme. C'est à l’élaboration de ce discours que la Revue suisse du travail social veut apporter sa contribution. Son comité de rédaction souhaite ouvrir la discussion sur le travail social en temps de crise dans le but d'élaborer, de rendre visible et d'échanger autour des perspectives et pratiques professionnelles. Publier un numéro sur le sujet sans s'y être préparé nous ferait sauter une étape dans ce processus d’élaboration du discours. Aussi, afin de rendre possible et visible la construction d’une réflexion sur le travail social en rapport à la crise de Covid-19, la revue souhaite, dans un premier temps, mettre en ligne une plateforme sur son site web sur lequel pourront être déposés de courts textes qui présentent les enjeux du travail social en période de crise sanitaire. Ce ne sera que dans un deuxième temps, en 2021, qu’un appel à contribution thématique sera proposé afin de susciter et recueillir des textes plus approfondis et présentant un contenu plus structuré.
Avec cet appel, nous vous invitons à réfléchir sur les événements passés, présents et attendus à l'aide de textes courts (les enjeux et défis posés au travail social par la crise sanitaire ; les ajustements des pratiques professionnelles ; les perspectives du travail social liées au déconfinement et menaces de reconfinement, etc.). Les textes devront s'adresser aux chercheur·e·s et aux enseignant·e·s du travail social, aux étudiant·e·s ainsi qu'aux expert·e·s intéressé·e·s à la politique et aux pratiques sociales. L'objectif de ce projet est de mettre en discussion les perspectives scientifiques et disciplinaires en vue de nourrir le questionnement par de nouvelles interrogations et de nouveaux thèmes.
Pour l’heure, nous proposons trois axes pour l’élaboration des textes portant sur le travail social en temps de pandémie. Ils ne prétendent, bien sûr, pas à l'exhaustivité.

1. Mise en visibilité et accroissement des inégalités sociales

La crise de Corona ne touche pas tout le monde de la même manière. Les publics du travail social sont particulièrement impactés par les effets socio-économiques de la pandémie. Il existe un consensus international sur le fait que les inégalités sociales ont un impact massif sur les conséquences de la crise - jusqu'à un taux de mortalité plus élevé parmi celles et ceux qui étaient déjà défavorisés auparavant. Les faibles niveaux de capital social, économique et culturel, combinés à un accès inadéquat au système de santé, exacerbent et compliquent l'expérience et la gestion de la crise.
Dans le même temps, des groupes sociaux qui étaient jusque-là financièrement bien assurés et capables de planifier leur vie à long terme (par exemple des indépendant.e.s ou des PME) se trouvent maintenant confrontés à des incertitudes. Dans cette situation de crise, la question de la cohésion sociale se pose de manière particulièrement aigüe : entre les générations, entre les personnes en situation de pauvreté et celles qui ont des moyens de subsistance assurés, ou, comme le montrent les protestations actuelles de par le monde, entre Noirs et Blancs. L'inégalité et la discrimination deviennent visibles alors même que certains groupes de personnes, au contraire, sont complètement oubliés et perdus de vue.

2. Les processus paradoxaux d'inclusion et d'exclusion

La distance sanitaire prescrite et les fermetures dans l'espace public exercent un effet paradoxal. Lorsque l’utilisation de l'espace public est restreinte, voire interdite et que, par ricochet, les contacts, les réseaux et le contrôle social public sont éliminés, la proximité et la dépendance dans les espaces privés et institutionnels s'intensifient. Les services publics, tels que l'aide à la jeunesse en milieu ouvert, les jardins d'enfants ou les écoles, peuvent compenser les désavantages. Dans les espaces privés, en revanche, comme dans les familles, le positionnement social influence fortement sur la dotation en ressources culturelles, économiques et sociales. Par exemple, l'exclusion des espaces publics, et le confinement dans les espaces privés qui en découle, font des conditions de logement un facteur important en termes de risque de violence domestique. Un autre domaine où l'exclusion des espaces publics montre des effets paradoxaux c’est celui des établissements hospitaliers, des foyers destinés aux mineurs, des foyers pour personnes en situation de handicap ou pour demandeurs d'asile ou encore des structures comme les EMS et des institutions psychiatriques. Ici aussi, l'exclusion des espaces publics renforce les processus de fermeture, de proximité et de dépendance - pour celles et ceux qui restent dans les établissements et ne sont pas renvoyés chez elles et chez eux. Concrètement, cela se manifeste par exemple par la suspension de week-ends passés en dehors de l’établissement ou l’interdiction des visites. Il sera ici question de la manière dont les organisations du travail social font face aux défis auxquels elles sont confrontées, de la création de nouveaux modes de communication ou encore de la façon dont les relations sont nouvellement agencées.

3. La compréhension discursive et l'assurance intersubjective

Le sens donné aux nouveaux contextes d'action passe par la narration, l’explication discursive et la documentation. Cela concerne le niveau social et politique, mais cela implique aussi ce qui se déroule au niveau du quotidien, du subjectif et de l’intersubjectif. En ce qui concerne le niveau social et politique, la pandémie a conduit à une hégémonie de l'expertise virologique et épidémiologique. Les données empiriques ont été présentées et interprétées principalement dans le domaine médical, les enquêtes et les sondages sur les questions sociales n’ont pas connu le même écho. Dans le même temps, les connaissances sociales et culturelles ont connu une forte mutation qui se traduit par de nouvelles priorités accordées aux orientations sociales de base telles que la solidarité, les soins, l’aide sociale ou la relation d’aide. Dans le contexte de l'État social, ces orientations coïncident parfaitement avec celles du travail social. Cela s'est confirmé, en cette période de crise, avec la responsabilisation du travail social envers les groupes de population vulnérables, impliquant en partie un engagement politique et professionnel situé au-delà de la routine quotidienne. A un autre niveau de perspective, concernant l'expérience quotidienne et subjective de la crise, une "ethnographie de la vie quotidienne" devient nécessaire pour vérifier si les perceptions et évaluations des acteurs et actrices sont fondées et appropriées. Pourront en témoigner des enquêtes, mais aussi des journaux intimes consacré au Covid. On peut imaginer une pluralité de formats possibles pour documenter de manière ethnographique la vie de tous les jours qui peut assurément présenter un intérêt pour mettre en valeur le travail social quotidien en temps de crise. Cela pourrait par exemple prendre la forme d’un rapport d'une assistante sociale portant sur ses expériences pendant le confinement ou d’une enquête menée par l'association Integras auprès des jeunes dans les institutions d'aide à l'enfance et à la jeunesse.
Ce qui reste ouvert ici c’est la question relative aux autres formes possible, peut-être innovantes, qui seront imaginées pour cette réflexion sur le quotidien et cela à une époque où l'échange intersubjectif basé sur le présentiel est limité.
Avec ses prémisses normatives, le travail social se trouve au centre de la dynamique actuelle des connaissances sociales et culturelles. Pour asseoir sa légitimité, il dépend de narrations et d'histoires. Pourtant, il n'occupe pas une position forte dans la discussion publique visant à comprendre et interpréter la crise. Cela vaut également pour les hautes écoles de travail social. Les textes que nous attendons visent ainsi à créer les conditions d'un renforcement de cette position.

 

Détails : Les textes peuvent être soumis de septembre à décembre 2020. Ils ne doivent pas dépasser 8'000 caractères. Le texte est précédé d'un lead de 450 caractères au maximum. Ils seront soumis à un examen éditorial et publiés en permanence sur la plateforme en ligne.

https://szsa.ch/all-contributions/covid-19/

Envoyez le texte par courrier électronique à mail@rsts.ch


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