[Positions and debates] Eine kritische Einordnung des Sozialen in der Psychiatrie und ein Plädoyer für mehr Utopie

Andreas Wyss (2026)

Psychische Erkrankungen und soziale Ungleichheit sind eng miteinander verbunden. Angesichts gesellschaftlicher Krisen und einer zunehmenden sozialen Härte ist ein Anstieg von Exklusion und sozialstaatlichem Ausschluss für bestimmte Bevölkerungsgruppen absehbar. Dies erfordert eine stärkere sozialräumliche Ausrichtung der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie. Damit können vorhandene Ressourcen aktiviert und Exklusionsmechanismen geschwächt werden. Die Psychiatrie sollte ihre institutionellen Grenzen überwinden und soziale Dimensionen stärker in ihr Behandlungsverständnis integrieren. Zugleich braucht die Soziale Arbeit in der Psychiatrie den Mut, über bestehende institutionelle Grenzen hinauszudenken. Eine kritisch-utopische Perspektive eröffnet neue Handlungsräume und inspiriert dazu, gesellschaftliche Bedingungen psychischer Krankheit aktiv zu verändern.

Schlüsselwörter: Sozialpsychiatrie, Exklusion, Sozialraumorientierung, psychische Gesundheit, soziale Ungleichheit

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[Positions and debates] Die Verantwortung der Sozialen Arbeit im Kontext von Human Enhancement

Anne Uphoff (2025)

Human Enhancement beschreibt technologische oder biomedizinische Entwicklungen, die vermehrt eingesetzt werden, um die physischen und psychischen Potenziale von Menschen zu optimieren. In diesem Beitrag wird die Verantwortung der Sozialen Arbeit für eine aktive Beteiligung am ethisch-moralischen Diskurs um das Phänomen Human Enhancement aus der Perspektive des systemischen Paradigmas nach Staub-Bernasconi herausgearbeitet und diskutiert, wie eine menschenrechtsorientierte Positionierung der Profession aussehen könnte.

Schlüsselwörter: Human Enhancement, ethisch-moralische Argumentationskompetenz, Verantwortung der Sozialen Arbeit, Menschenrechte

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[Articles] Zugang zum Recht auf Sozialhilfe durch gute Informationen?

Gesine Fuchs und Sabine Witt (2025)

In der Schweiz erschwert eine heterogene und kleinräumige Organisation den Zugang zum Recht auf Sozialhilfe. Der Artikel geht der Frage nach, wie behördliche Informationen gestaltet sein müssen, um potenziellen Nutzer:innen den Zugang zu diesem Recht zu ermöglichen. Er analysiert mittels quantitativer Inhaltsanalyse die Zugänglichkeit, Verständlichkeit und den Informationsgehalt von 51 kommunalen Webseiten zur Sozialhilfe. Zusätzlich werden eine Gruppendiskussion und ein User Test durchgeführt. Während die allgemeine Benutzungsfreundlichkeit der Webseiten zufriedenstellend war, waren der Informationsgehalt, die Verständlichkeit und das Beziehungsmanagement unzureichend. Bessere Ergebnisse erzielten regionale Sozialdienste und solche mit einer politisch linken Exekutive. Autor:innen der Webseiten berücksichtigen die sprachlichen und digitalen Fähigkeiten sowie die soziodemografischen Merkmale der sehr heterogenen Zielgruppe nur unzureichend. Der Artikel erörtert Strategien und Instrumente für eine effektive und adressat:innengerechte Kommunikation.

Schlüsselwörter: Sozialhilfe, Schweiz, Behördenkommunikation, Zugang zum Recht

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[Articles] Partizipation beim Mittagessen in der Mittagsbetreuung: Kinderperspektiven aus Schweizer Tagesstrukturen

Jasmin Näpfli, Michelle Jutzi und Noémie Gfeller (2025)

Diese Studie untersucht, wie das Mittagessen in der Mittagsbetreuung von Tagesstrukturen organisiert ist und welche Partizipationsmöglichkeiten Kinder in diesem Rahmen haben. Anhand von Gruppeninterviews in neun schulergänzenden Tagesstrukturstandorten eines Schweizer Kantons wird untersucht, welche Vor- und Nachteile die Kinder in den verschiedenen Organisationsformen des Mittagessens sehen. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder unterschiedliche Grade der Partizipation beim Mittagessen im Rahmen der Mittagsbetreuung erleben. Zur Betrachtung dieser Ausprägung wurde der Partizipationswürfel als dreidimensionales als Analysemodell entwickelt.

Schlüsselwörter: Tagesstrukturen, Partizipation, institutionelle Organisation des Mittagessens, Kinderperspektive, qualitative Inhaltsanalyse

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[Articles] Das Familiale in Pflegefamilien

Daniela Reimer, Noëmi van Oordt und Alex Knoll (2025)

Der Beitrag analysiert und diskutiert, wie verschiedene Akteur:innen der Schweizer Pflegekinderhilfe auf «Familie» Bezug nehmen. Er stützt sich dabei auf Befunde aus Gruppendiskussionen mit Fachpersonen der Pflegekinderhilfe, Interviews mit Pflegeeltern, Pflegekindern und leiblichen Kindern sowie einer Diskursanalyse von Mediendokumenten. Drei Dimensionen der Bezugnahme auf Familie sind zentral: Familie als normativer Rahmen, als Ort von Erziehung und Sozialisation und als Raum für positive emotionale Beziehungen. In allen Dimensionen zeigen sich Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Perspektiven, welche auf Spannungsfelder verweisen: während Medien und Fachpersonen normative Vorstellungen von Pflegefamilien betonen, zeigen sich Pflegefamilien selbst diverser; die explizite Pädagogisierung in Pflegefamilien kontrastiert mit der Vorstellung impliziter Familiensozialisation; emotionale Nähe ist eine umstrittene Norm. Insgesamt balancieren Pflegefamilien zwischen der Erwartung, «einfach Familie» zu sein und professionellen Anforderungen.

Schlüsselwörter: Pflegefamilie, Erziehung, Beziehung, Familienforschung, Diskursanalyse

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[Articles] [Dossier 2024] «Wofür steht das Kind?» Unterschiedliche Bedeutungsdimensionen und Zuschreibungen beteiligter Akteur:innen bei Inlandsadoptionen von 1922 bis 2017

Adrian Seitz, Lukas Fritz-Emmenegger, Susanne Businger, Samuel Keller und Thomas Gabriel (2024)

Die Geschichte der Fremdplatzierung von Kindern in der Schweiz zeigt, dass diese bis ins 20. Jahrhundert primär der Armutsbekämpfung diente. Das Kindeswohl wurde dabei oft vernachlässigt, was Folgen für die Betroffenen hatte. Da zur Inlandsadoption bisher wenig empirisches Wissen vorliegt, beleuchtet der Beitrag Perspektiven von Behörden, Vermittlungsstellen, Adoptierten und leiblichen Eltern. Mithilfe historischer und biografischer Zugänge sowie der Mehrebenenanalyse werden Wechselwirkungen und wirkmächtige Zuschreibungen am Kind sichtbar.

Schlüsselwörter: Inlandsadoptionen, Kindeswohl, Biografieforschung, Aktenanalyse, Mehr­ebenenanalyse

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[Articles] [Dossier 2025] Posthumanismus und Soziale Arbeit. Sympathien und Kritik

Alexander Brunner (2025)

Posthumanistisches Denken stellt eine neue und interessante theoretische und praktische Perspektive für Soziale Arbeit dar, die im deutschsprachigen Raum noch kaum rezipiert wurde. Der Beitrag diskutiert zunächst ausgewählte epistemologische Grundlagen posthumanistischen Denkens, die sich auf die Kritik des Humanismus beziehen, dar und nimmt sympathisierend und kritisch dazu Stellung. Ferner werden einige Thematiken, die für den Diskurs der Sozialen Arbeit bedenkenswert sind, aufgegriffen. Sie beinhalten die Themen Autonomie, ethische Fragestellungen sowie praktische und utopische Momente.

Schlüsselwörter: kritischer Posthumanismus, Soziale Arbeit, Dichotomien, Nicht-Menschliches, Kritik

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